Schenk ich mir


Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Andrea Evers, Professorin für Gesundheitspsychologie.

christine_0084.jpg

Christine

Christine Ritzenhoff // Redaktionsleiterin

Ein paar dieser Wintervorboten sind Ihnen bestimmt auch schon untergekommen: Die Lebkuchensterne in den Supermarktregalen, die gefühlt dort schon lagen, als wir noch in Sandalen vorbeigelaufen sind. Fragen wie: „Ich weiß, es ist noch Zeit, aber: Wo feiert ihr denn Silvester?“ Die To-do-Liste, was bis Jahresende noch zu erledigen ist. Und vor allem der Gedanke: Was soll ich denn dieses Jahr nur schenken? Selbst wenn man den Weihnachtsnaschkram bis Dezember geflissentlich ignoriert, Silvester-Frühplaner auf später vertröstet, To-do-Listen zusammenstreicht: Die Frage nach den Geschenken bleibt. Und stresst – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Meine Mutter etwa verzweifelt jedes Jahr aufs Neue daran, dass ich außer „Ein Buch vielleicht?“ keine Wünsche habe. Meine Freundin Heike betont, wie gern sie doch schenkt und, ja, auch beschenkt wird – aber was mit Liebe, ja? Okay, hab verstanden! Und die Liste meiner fünfjährigen Tochter ist jetzt schon unerfüllbar lang, mit Wünschen wie „Fotoapparat“, „Wasserwaage“ und „Oma und Opa sollen nie mehr lügen, denn sie haben gesagt, Opa kann zaubern“.

Was es so kompliziert macht: Man will ja nicht irgendwas schenken. Es soll schon das Richtige sein. Und ein Gutschein? Zu banal. Geld? Irgendwie seelenlos. Wunsch eins von der Liste des Beschenkten? Nicht gerade kreativ. Im Prinzip soll in einem Geschenk alles zusammenkommen: Wir wollen damit zeigen, dass wir uns Gedanken gemacht, uns Mühe gegeben haben, uns nicht haben lumpen lassen. Und wollen, dass dieser Einsatz gewürdigt wird. Da wundert es nicht, dass im Glitzerpapier stets viel Nerven und immer auch ein wenig Enttäuschung mit drinstecken. Die in diesem Jahr hoffentlich kleiner ausfällt – dank unseres „Geschenke-Wahl-O-Mats“ (ab Seite 110), der auf psychologischen Erkenntnissen beruht.

Was die Psychologie auch weiß: Glücklich machen selbst perfekte Geschenke nur bedingt. Viel wichtiger für entspannte Feiertage sind doch, klar, die Liebsten, die zusammenrücken. Und dass man selbst sich auch einmal zurücklehnen, zur Ruhe kommen kann. Selbstredend, dass wir auch dafür in unserem Extra Entspannt durch den Winter ein paar (und mehr) Ideen und Anregungen haben, wie man sich vor und während der Feiertage weniger stresst. Meine ganz persönliche Anti-Stress-Lösung: Nachdem mein Mann mir an unserem zehnten Weihnachtsfest eine CD geschenkt hat, die ich schon hatte, und ich ihm ein Hemd, das für ihn Fast-das-richtige-aber-auch-nur-fast war, haben wir beschlossen: Das war’s. Keine Weihnachtsgeschenke mehr von ihm für mich und umgekehrt. Und wissen Sie was? Ich vermisse nichts – außer das vertraute Glitzern unter dem Tannenbaum vielleicht.

Christine Ritzenhoff // Redaktionsleiterin